Yacht-Test Sun Fast 20 - 17/1993
Was, Sie haben noch kein Zweitschiff? So ein kleines, das
mit wenig Aufwand mal am Abend klargemacht wird oder am Wochenende den
Segelhunger stillt, wenn sich der Weg zum "Grossen" an der Küste
nicht lohnt?
Dann sollten Sie nach Frankreich blicken. Die dortige zweitgrösste Yachtwerft
Jeanneau bietet jetzt einen kleinen, unkomplizierten Flitzer an - die Sun Fast
20. Sie ist in Minutenschnelle startklar gemacht, bietet drei bis vier
Erwachsenen Platz und ist für weniger als 23'000 Mark zu haben.
Das Boot orientiert sich an dem modernen Konzept, wie es heute vor allem bei
jungen Seglern gefragt ist. So wurde die Sun Fast 20 konsequent sportlich
ausgelegt und nach dem Vorbild der 14-Footer-Jollen mit einem ausfahrbaren
Spibaum ausgerüstet, an dem ein Gennaker oder Blister setzen lässt.
Man will aber auch gelegentlich an den Strand zum Baden oder Grillen segeln,
wobei das Trockenfallen kein Problem sein darf. Auch hier bietet die Sun Fast 20
mit dem einfach aufzuholenden Ballastschwert und dem aufholbaren Ruderblatt
beste Voraussetzungen.
Schliesslich ist die Möglichkeit gelegentlicher Übernachtungen ein wichtiges
Kriterium. Vier ausreichend breite und lange Kojen in der sehr flach gehaltenen
Kajüte stehen hierfür zur Verfügung.
Mit knapp 800 Kilogramm Startgewicht ist die Sun Fast 20 darüber hinaus leicht
trailerbar und schon mit einem Kleinwagen von einem Revier zum anderen zu
bewegen.
Wir konnten als erste Segelzeitschrift diesen Neuling auf seinem Heimrevier vor
der Belle-Ile-en-Mer an der Atlantikküste testen und waren auf Anhieb von den
Segeleigenschaften dieser Centrowski-Konstruktion begeistert.
Das grossflächige Senkruder verleiht dem Boot einen fast
Jollenartigen Charakter. Schon bei wenig Fahrt reagiert es auf kleinsten
Ruderausschläge. Pinne nach Lee und die Sitzposition wechseln - das war alles,
was wir bei der Wende zu tun hatten. Gross und Selbstwendefock bewegten sich
selbständig von einer Seite auf die andere.
Der Wind wehte in den Spitzen mit 12 Knoten Geschwindigkeit (etwa 3 Beaufort),
und die 20er hatte keine Mühe, diesen Winddruck zu parieren; sie legte sich
sanft bis zur Scheuerliste (aus grauem Kunststoff) weg und folgte willig dem
Kurs hoch am Wind. Der Speedometer zeigte derweil eine mittlere Geschwindigkeit
von 5.2 Knoten an. Die sehr weit innen geschotete Selbstwendefock und das über
das Achterstag flach getrimmte Grosssegel liessen einen Wendewinkel von 76 Grad
zu. Werte, die uns vollauf zufriedenstellten - viel mehr kann man von einer
20-Fuss-Yacht (6.10 Meter Länge über alles) nicht erwarten.
Erst als wir durch falschen Gewichtstrimm noch mehr Lage provozieren, wollte
unser Testkandidat durchluven, war aber durch schnelles Fieren der Grossschot
sofort wieder in den Griff zu bekommen.
Mit einem Schrick in den Schoten wurde das Boot noch geringfügig schneller und
erreichte schliesslich 5.8 Knoten.
Doch so richtig auf Trab kam die Sun Fast 20, als wir den
25 Quadratmeter grossen Blister (Halbspinnaker) am ausgefahrenen Bugspriet
setzten und nun zusammen mit Gross und Fock 43.5 Quadratmeter am Wind fuhren.
Sofort ging der Speedometer hoch und erreichte mehrfach die 7-Knoten-Marke.
Gemessen an der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit von 5.8 Knoten sind das doch
recht beachtliche Werte, die den gelungenen Riss bestätigen.
Bis zu 60 Grad konnten wir mit dieser Besegelung an den scheinbaren Wind gehen,
dann nahm die Krängung stark zu, und das grosse Vorsegel fiel in sich zusammen.
Die günstigen Winkel für den Blister sind demnach von 60 Grad bis 160 Grad -
weder zu hoch noch zu tief sollte man mit diesem Segel fahren. Platt vor dem
Wind stand der Blister auch nur noch mit Mühe.
Die Handhabung von Schoten und Fallen war generell nicht zu beanstanden - alles
lag im direkten Griffbereich. Lediglich die Klemme für den Achterstagspanner
sass zu tief, und wir hatten Mühe, sie während des Segelns zu lösen.
Obwohl die 20er ohne Traveler ausgerüstet war, liess sich der Twist mit
dem Grosssegel über den kräftigen Baumniederhohler zufriedenstellend
einstellen - also durchaus akzeptable Lösung.
Ober- und Unterwanten sind an der Decksaussenkante angebracht, was zwar den den
Segelstand des Vorsegels nicht stört, anderseits aber den freien Durchgang auf
das Vorschiff behindert. Da bleibt nur der Weg mit einem eleganten
Körperschwung aussen am Want herum. Die kleine Seereling hat im Cockpitbereich
ein breites Gurtband in Rückenhöhe, das besonders in der Leeposition guten
Halt bietet.
Von den Segeleigenschaften verwöhnt, sollte man an die Raumverhältnisse unter
Deck nicht ebenso hohe Anforderungen stellen. Auch wenn die Sun Fast wie ein
kleiner Kreuzer aussieht und vier Kojen bietet - es ist und bleibt in erster
Linie ein Daysailer. Für die Familien-Fahrtensegelei ist er (besonders in
unseren Breiten) nur bedingt geeignet. Die lichte Höhe unter dem Luk beträgt
ganze 1.37 Meter. Wer mit der 20er auf längere Törns gehen will, der sollte in
jedem Fall eine geschlossenen Cockpitpersenning ordern, um den Lebensraum im
Hafen auf ein vernünftiges Mass zu bringen.
Neben den Kojen sind unter Deck eine praktische, mobile Eisbox und eine kleine
Spüle mit Gaskocher untergebracht. Zum Kaffeekochen reicht's, aber zum
zubereiten grösserer Menüs ist die Pantry kaum geeignet.
Stattliche Masse zeigten dagegen die Kojen. Die Längskojen sind jeweils 2.00
Meter lang und 60 Zenitmeter breit. Die Vorschiffskoje (Doppelkoje) ist 1.82
Meter lang und 1.45 Meter (im Schulterbereich) breit. Die Polster sind mit
Kunststoff bezogen und haben eine 5 Zentimeter dicke Schaumfüllung - nicht eben
viel für komfortables Sitzen und Schlafen. ein Tisch ist unter Deck nicht
vorgesehen.
Geschickt ist die Integration des Schwertkastens gelöst.
Er fällt unter Deck im Kajütenbereich kaum auf, denn der Weitaus grössere
teil befindet sich - sehr flach gehalten - im Cockpitbereich. Da der
Hauptballastanteil als feste Bodenplatte einlaminiert ist (auch als
Auflaufsicherung), kann das relativ leichte Schwert mit einer einfacher Part
geholt und in einer Klemme belegt werden.
Die wenigen Holzteile unter Deck aus hellem Eichenfurnier mindern zwar ein wenig
den Kunststoff-Charakter, eine wohnliche Atmosphäre konnten sie dennoch nicht
schaffen. Die Sun fast ist eben in erster Linie ein sportliches Boot, bei dem
der Segelspass im Vordergrund steht und nicht etwa der Komfort unter Deck.
Die GFK-Verarbeitung machte in allen Bereichen einen guten Eindruck, was auf
eine angemessene Serienreife schliessen lässt.
Fazit
Die Sun Fast 20 ist ein flotter Küstenkreuzer, mit dem auch sehr flache Reviere befahren werden können. Die variable Segelfläche lässt auch schon bei wenig Wind Segelspass aufkommen. Hervorzuheben sind die Wendigkeit und die Ausgewogenen Segeleigenschaften. Für Küstentörns mit Übernachtungen an Bord unumgänglich. Der Preis ist, gemessen an der Ausstattung und technischer Konstruktion, günstig.